Harthbasel

15. September 2014

listen

Filed under: — klaus @ 21:17

Letztens wurde ich über facebook eingeladen, eine Bücherliste zu erstellen von 10 wie auch immer für mich wichtigen Büchern. Listen sind ja eh was Schönes, und ich mache mir seit ein paar Tagen ernsthaft Gedanken. Klar, dass das gar nicht so einfach ist, vielleicht aber doch; man kramt in seiner Vergangenheit und guckt halt, was wichtig war.

Also, ohne Begründungen, halbwegs chronologisch:

1. Hariet Beecher-Stowe, ONKEL TOMS HÜTTE (doch mit Begründung, Konsequenz ist was für Anfänger: der erste richtige Roman, den ich gelesen habe, so ungefähr mit sieben oder acht. Mein bester Freund damals bekam etwa 700 oder 800 Exemplare davon auf seiner Kommunion geschenkt, und er war damals schon kein Leser und hat sie dann an seine Gäste weiterverschenkt…)

2. Friedrich Dürrenmatt, DAS VERSPRECHEN (aber eigentlich: ALLES. Hat meine Weltsicht bis auf den heutigen Tag stark beeinflusst).

2 einhalb: Thomas Mann, DIE BUDDENBROOKS (im heißen Sommer 1983 in der Küche meiner Oma nachts gelesen und kapiert, wie Literatur funktionieren kann. Später dann SÄMTLICHE ERZÄHLUNGEN und so mit 30 DER ZAUBERBERG. Noch später, Mitte 40 LOTTE IN WEIMAR, FELIX KRULL).

3. May Sjöwall/Per Wahlöö, DIE TOTE IM GÖTAKANAL (aber eigentlich: ALLE ihre Krimis. Schwedenfan, der ich mit 15 war, habe ich alle ihre Romane so mit Mitte 20 gelesen, nachdem sie mir recht früh als Hörspiele im Südwestfunk begegnet sind.)

3einhalb: Charles Bukowski, GEDICHTE, DIE EINER SCHRIEB, BEVOR ER IM ACHTEN STOCKWERK AUS DEM FENSTER SPRANG (später auch eine andere Gedichtsammlung, nur die Gedichte, alles andere fand ich doof.)

4. F.M. Dostojewski, DER IDIOT (aber auch: AUFZEICHNUNGEN AUS DEM UNTERGRUND, SCHULD UND SÜHNE und DIE BRÜDER KARAMASOV, alle so ungefähr Anfang 20, später, mit Ende 30, ausgelöst durch eine Castorf Inszenierung der DÄMONEN die Neuübersetzungen von Svetlana Geier gelesen, also: BÖSE GEISTER, IDIOT, VERBRECHEN UND STRAFE und DIE BRÜDER KARAMASOV. Bei der alten Frage Dostojewski oder Tolstoi war ich immer ersterem zugeneigt. Tolstois KRIEG UND FRIEDEN dann so mit 40 gelesen, beeindruckt, es hat einiges klargemacht, aber wenig berührt).

5. Elias Canetti, MASSE UND MACHT (eigentlich ja ein Sachbuch, aber eigentlich auch ALLES: DIE PROVINZ DES MENSCHEN, DER OHRENZEUGE, DIE BLENDUNG, klar, DIE GERETTETE ZUNGE, DIE KOMÖDIE DER EITELKEIT. So ungefähr mit Mite 20).

6. Ernst JANDL: IDYLLEN (war das erste, was ich mir gekauft habe, aber auch LAUT UND LUISE, SELBSTPORTRAIT DES SCHACHSPIELERS ALS TRINKENDE UHR, LETZTE GEDICHTE, STANZEN…)

6einshalb: Arno Schmidt, ERZÄHLUNGEN (SEELANDSCHAFT MIT POCAHONTAS, KÜHE IN HALBTRAUER…)

7. John Cage, SILENCE (enthält: VORTRAG ÜBER ETWAS, VORTRAG ÜBER NICHTS, 45 MINUTEN FÜR EINEN SPRECHER).

7einhalb: William Gaddis DIE FÄLSCHUNG DER WELT. (eine Unwucht von einem Buch, mein Thema, überbordend, maßlos und doch, )

7kommafünfundsiebzig: George Perec, DAS LEBEN- EINE GEBRAUCHSANWEISUNG (nie fertig gelesen, was nicht oft vorkommt, aber die Idee ist genial und man kann tatsächlich gelassener werden, schön auch WAS FÜR EIN KLEINES MOPED MIT VERCHROMTER LENKSTANGE STEHT DORT IM HOF?)

8. Harry Mulisch, DAS ATTENTAT. (eine kleine Erzählung über Schuld, in diesem Jahr wiedergelesen und immer noch beeindruckt, wie einfach man solche komplizierten Sachverhalte in den Raum stellen kann.)

8kommafünfundzwanzig: Wolf Haas, KOMM SÜSSER TOD (aber auch DAS WETTER VOR 15 JAHREN)

8 einhalb: Juli Zeh, ADLER UND ENGEL (das beste ihrer Bücher. Aber auch nicht schlecht DIE STILLE IST EIN GERÄUSCH, ein Reisebericht. Alles andere von ihr ist mir oft ein wenig zu durchschaubar konstruiert. Adler und Engel ist auch durchkonstruiert, aber trotzdem ein wildes und abgefahrenes und spannendes Buch.)

9. Max Frisch, DIE TAGEBÜCHER (aber auch MONTAUK und HOMO FABER, beide habe ich im Abstand wieder gelesen. Max Frisch war mir lange fremd, dazu musste ich älter werden, vielleicht auch dreimal in Loco weilen, dem Nachbarort von Berzona im Tessin, wo er zeitweise lebte, nicht zuletzt das hat ihn mir näher gebracht, seine Zweifel und vor allem diesen Tagebuchstil finde ich sehr anregend: ein Gemisch aus Beobachtung und Essay und Erzählung, so ähnlich denke ich auch in meinen Zeichnungen, denke ich…)

9einhalb: Jonathan Litell DIE WOHLGESINNTEN (das muss man aushalten, ein schokierendes und aberwitziges Buch über Nationalsozialismus und 2. Weltkrieg).

9kommafünfundsiebzig: Haruki Murakami, 1Q84 (aber auch HALLO MISTER AUFZIEHVOGEL)

9komma90:  Michel Houllebecq, KARTE UND GEBIET (mein liebstes: klar, da geht’s um grundsätzliche Problematiken des Kunstmenschen).

10. Hanns-Josef Ortheil, DIE ERFINDUNG DES LEBENS (aber auch, und erst vor kurzem gelesen DIE BERLINREISE!)

10einhalb: Wolfgang Herrndorf, TSCHICK (klar, mag jeder, aber auch SAND als parallel geschriebenes menschliches Gegenmodell, anstrengend, aber interessant, vielleicht nicht ganz gelungen, aber als Kontrapunkt zu Tschick natürlich genial und ARBEIT UND STRUKTUR).

 

Und nun zu den Sachbüchern (unchronologisch, wie es mir grade einfällt):

1. Jean Dubuffet ZEICHNUNGEN

2. Umberto Eco DAS OFFENE KUNSTWERK

3. Picasso ZEICHNUNGEN (3 Bändchen aus dem Diogenes Verlag)

4. Walter Koschatzky DIE KUNST DER ZEICHNUNG

5. Hans Georg Gadamer DIE AKTUALITÄT DES SCHÖNEN

6. Gerhard Richter TEXT (Hrsg. Hans-Ulrich Obrist)

7. Albert Camus DER MYTHOS VON SISYPHOS

8. Paul Watzlawik ANLEITUNG ZUM UNGLÜCKLICHSEIN

9. Jonathan Cott TELEFONGESPRÄCHE MIT GLENN GOULD

10. Fritz Brustat-Naval WINDJAMMER AUF GROSSER FAHRT

10,5 Montaigne ESSAYS,

10,75 Epiktet, …

 

 

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