Harthbasel

25. Februar 2009

Honecker Museum

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Die Arbeiten für das Honecker-Museum entstehen zwischen 2003 und 2005.
Erich Honecker wird am 25. August 1912 in Neunkirchen/Saar geboren und wächst in Wiebelskirchen/Saar heran. Klaus Harth wird knapp 52 Jahre später am 3. März 1964 in Neunkirchen/Saar geboren und wächst in Wiebelskirchen/Saar heran.
Die Frage eines Bekannten, ob es denn in unserem gemeinsamen Heimatort irgendetwas gebe, was auf diesen „Sohn der Stadt“ hinweise, ebenso wie die Tatsache, dass ich seit 1981 einen engen Briefkontakt zu Steffen Carius, der jetzt in Dresden lebt, hatte, haben mich zu diesem Thema hingeführt. Steffen verdanke ich frühe Besuche in den heutigen sogenannten Neuen Bundesländern; mein erster Besuch in Halle/Saale war Ende März 1990. Da gab es sogar noch den Staat DDR, die Mark als Währung und ich wurde beim Grenzübertritt von Ost- nach Westberlin am 1. April 1990 (!) sogar noch gefilzt und um 280,- Mark erleichtert. Kein Vergleich zu all dem, dem meine Freunde und Bekannten, die im Osten aufgewachsen sind, zum Teil ausgesetzt waren. Ohne Steffen würde ich Halle/Saale, Dresden, die Sächsische Schweiz, Hiddensee usw. wahrscheinlich bis heute noch nicht kennen (wie so viele meiner West-Mitmenschen bis heute ebenfalls noch nicht). Zumindest ein Versuch, zu DDR-Zeiten ein Besucher-Visum für mich zu ergattern, wurde abgewiesen. (Ob wir einen zweiten Versuch gestartet hatten, bin ich mir heute gar nicht mehr so sicher).

Wie funktionieren Bilder? Was bestimmt das Bild, das man sich von jemandem macht? Auch das Thema vom Funktionieren von Kunst in der DDR (aber auch vom Funktionieren von Kunst in westlich ausgerichteten Systemen) wird in diesem Konvolut von Bildern angeschnitten.
Das Honecker-Museum beginnt mit ersten zaghaften Umkreisungen des Themas. Portrait-Versuche. Bilder unseres gemeinsamen Heimatortes Wiebelskirchen (insofern ist es auch z.T. für mich eine Art privaten Heimatmuseums geworden).
Besuche bei Dominik Engel in Berlin, sowie Skizzen und Fotos vor Ort geben der Arbeit erneut einen weiteren Dreh.
Das Studium von Bildbänden aus der DDR und das Lesen von Biographien (u.a. auch der Autobiographie E.H.s) tun das ihre.
Schließlich wird ein Gedanke immer wichtiger: der Umgang mit Welt, sprich: wie hat die DDR als Staat funktioniert? Es gab da mal ursprünglich eine Idee, die man versucht hat, in die Tat umzusetzen. Wo gehobelt wird, fallen Spähne. Wo eine Idee in die Tat umgesetzt wird, bleibt immer etwas auf der Strecke. Also ist der Versuch der Umsetzung ein mehr oder weniger gelungener Abklatsch dieser Idee. Und im alltäglichen Alltag schleift sich dies dann wiederum Tag für Tag ein bißchen mehr ab. Also ein Abklatsch von einem Abklatsch von einem Abklatsch einer ursprünglich mal gewesenen Idee. Und nicht jeder der leitenden Ideenträger und -bewahrer mag diese Idee auch richtig verstanden haben.
Formal hieß das dann folgendes: Was ist das Original, was das Abbild?
Fotos dienten als Vorlage, die nach diesen Fotos gemalten Bilder wurden wiederum fotografiert, Objekte erstellt und Flaggen bemalt, aufgespannt und unaufgespannt, die gemachten Fotos überarbeitet, in bestehende Bilder eincollagiert oder in Bücher und zu Büchern gelegt, dieses wiederum fotografiert und überarbeitet und zwischendurch wieder gemalt usw. usf., also ein ins Unendliche driftender Schwurbel von Abbild und Wirklichkeit.
Schlussendlich entstanden als Quintessenz dieser Arbeit zwei Fotoalben, in die nochmals Fotos nach bereits entstandenen Arbeiten, aber auch Fotos von Orten in Berlin oder Wiebelskirchen eingeklebt wurden. Das erste und umfangreichere dieser Alben wurde komplett fotokopiert, jeweils eine Doppelseite, wobei das Mitumblättern des milchigen Schutzblattes miteingerechnet wurde, das zweite Album wurde auf vergleichbare Weise digitalisiert.
Das Ergebis dieses Zustandes wurde dann im Rahmen des Robert-Schuman-Preises 2005 in einem Raum (der dann wirklich zu einem Honecker-Museum wurde) präsentiert:
Rundum an den Wänden eine Reihe der 25x25cm kleinen Bildchen der ersten Generation, darunter jeweils eine Fotokopie, bzw. ein ausgedruckter Scan aus den Alben (in Reihenfolge). In Vitrinen die Alben selbst und eine Menge der Abfallprodukte der Arbeit am Honecker-Museum.
Das ganze ergänzt durch eine CD, auf der Peter Weber zwei Geschichten erzählt; einmal eine Begegnung zwischen seinem Vater und Erich Honecker selbst in den zwanziger Jahren in Wiebelskirchen, zum anderen eine Anekdote aus Honeckers Meinungskampf zur Saar-Abstimmung 1935.

Im Raum stand auch noch die Idee, das Honecker-Museum in einem Raum in Neunkirchen (am liebsten in einem Raum im Rathaus, so bürokratisch, wie es nur machbar ist) unterzubringen. Verhandlungen in dieser Hinsicht wurden allerdings noch keine geführt.

Untenstehende Bilder zeigen die Inszenierung im Saarländischen Künstlerhaus 2005 im Rahmen des Robert-Schuman-Preises.


Als Quintessenz zur gesamten Arbeit entstehen gegen Schluss zwei Alben mit Bildmaterial und Texten. Dieser Film zeigt das erste Album, unterlegt mit zwei Geschichten, erzählt von Peter Weber: Die erste schildert eine Begegnung Erich Honeckers mit dem Vater von Peter Weber.

 


Dieser Film zeigt das zweite Album. Auf der Tonspur eine eigens für diese Abfolge entworfene, an Stummfilmklassiker erinnernde, Filmmusik.

02_006.jpgIm Treptower Park gibt es eine sehr interessante Märchenskulptur – bei näherem Hinsehen handelt es sich sogar um einen Brunnen. Ein Storch, der eine Brille trägt (was man auch erst auf den zweiten Blick erkennt), stößt einem Hund, der seinen Rachen weit aufreisst und sich zum Storch hin aufbäumt, seinen Schnabel in den Rachen. Oder will er ihm eigentlich was Gutes tun und ihn füttern? Jedenfalls rinnt aus dem Schnabel des Storchs das Brunnenwasser, das dann aus dem Rachen des Hundes an dessen Körper nach unten…hmm…Wer kennt dieses Märchen? Gibt es überhaupt eines dazu?
Handelt es sich um einen Akt der Güte oder um einen der Gewalt?

1.1.2002
im fernsehn zappelt die welt.
im radio erzählen sie von einem hundeerschießungskommando, so wie es scheint, irgendwo in einem verseuchten gebiet kurz nach der katastrophe von tschernobyl. die hunde haben in dem evakuierten gebiet schon lange keine menschen mehr gesehen und laufen freudig erregt auf das kommando zu. bellen, schwanzwedeln.
elf, zwölf jahre später ist die welt wieder weiß. man kann aus dem fenster sehen, wie draußen die vögel zappeln. seit langem wieder weiße weihnacht, weißes silvester und weißes neujahr. heute lief im fernsehn sogar eine wiederholung vom weißen wal.
wenn die sonne scheint, so wie gestern, spiegelt sich der blaue himmel sogar im schnee. weiß und blau und braune hundekacke auf dem waldweg.
irgendjemand im radio meinte, er hielte gregory peck als käptn ahab für die größte fehlbesetzung der filmgeschichte.
naja, immerhin winkt auch er zum abschied.

15.3.09
Ist der ernst der Lage nur ein Witz?

Die Macht hat etwas Lächerliches und Banales. Sie produziert unendliches Leid, im besten Falle sogar etwas Gutes meinend, aber sich selbst und den anderen misstrauend, kann aus Nichts nur nichts werden. Kann aus Nichts nur Nichts werden. So war eine der Grundideen des Honecker-Museums nicht, dem Leid einen Raum zu geben, sondern der Banalität der Macht nachzuspüren. Diese Banalität erschlägt einen fast, wenn man sich damit beschäftigt. Aber das kann einen vielleicht hellhörig machen auf die Banalitäten des eigenen gesellschaftlichen Umfeldes. Denn es kann ja nicht Sinn und Zweck sein, mit dem Finger auf die DDR zu zeigen und zu sagen: Sieh mal, das war alles Bäh und wir waren und werden nie so sein!

Sehr erinnern kann ich mich an das Buch von Herminia Zur Mühlen „Der Spatz“. Das Buch schildert das Leben eines armen Spatzen und ist deshalb so beeindruckend, weil in der Vogelwelt der Spatz der Proletarier ist. Erich Honecker.

lenin.jpgLenin als Kind als Erscheinung über Wiebelskirchen als ob…

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